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Theaterabend der Altdorfer SPD am 05. Dezember 2003

Dramatischer Rückgang des deutschen Witzkonsums

Beim SPD-Theaterabend gab es kein Pardon. Alles wurde auf die Schippe genommen.

Der Interessenverband des deutschen Witzes beklagt einen dramatischen Rückgang des deutschen Witzekonsums. Professor Klaus-Günther Weber vom Süddeutschen Rundfunk (gespielt von Wolfgang Böss) konnte dies in seinem Beitrag „Humor und Wirtschaftskrise“ statistisch untermauern. Der deutsche Humor, einst als Qualitätsprodukt auf dem Weltmarkt führend, mache heute kaum noch 0,02 Prozent der Exportquote aus. Und dann bestünde die US-Regierung auch noch auf der Abnahme von 3800 veralteten Witzen, natürlich zu Lasten des Steuerzahlers. Das könne und dürfe so nicht weitergehen.

Das hatte auch die Altdorfer SPD erkannt und ihre Mitglieder uns Freude zu einem Theaterabend in den Sparkassensaal eingeladen. In Beiträgen und Kommentaren zur Altdorfer Stadtpolitik, zum Ausgang der Landtagswahl, in Sketchen zu weltbewegenden Themen wie „Der richtige Mann“ und „Aus der Ortsvereinssitzung“ bekamen alle ihr Fett ab: die CSU, die SPD, die Verwaltung, die Vereinsmeierei usw.

Natürlich spielte auch der Kauf der sauren Wiesen in Unterwellitzleithen zum Zwecke der Gewerbeansiedlung eine Rolle. So wollte der Yeti z.B. Altdorf nicht besuchen, obwohl in der stadtbekannte Kletterer und erste Bürgermeister Rainer Pohl bei seiner Mount-Everest-Besteigung persönlich zu den nächsten Wallensteinfestspielen 2006 eingeladen hatte. Durch die Absage des skandinavischen Tiefkühllogistiker Frigoscandia seien die klimatischen Voraussetzungen für seinen längeren Aufenthalt äußerst ungünstig.

Bei der diesjährigen internationalen Buchausstellung sei der utopische Roman „Viel Geld aus Uwelei“ eines stadtbekannte Märchenerzählers in der Kategorie „Die unwahre Geschichte“ ausgezeichnet worden. Darin wird berichtet, wie des einer fiktiven Kleinstadt gelungen sei, sich für wenig Geld ein Grundstück zu sichern, dieses als Gewerbegebiet auszuweisen, und nach der Ansiedlung von Microsoft, Sony und Siemens über Nacht  zu einer der finanzstärksten Gemeinden zu entwickeln. Die Mittel, die dann im Überfluss zur Verfügung standen, seinen bürgernah in so wichtige Projekte wie Straßen- und Parkhausbau investiert worden.

Dass die Haushaltsberatungen des Altdorfer Stadtrates nicht spurlos am Bürger  vorbeigehen, bewiesen Walter und Gunda bei ihrer Küchentischdiskussion. Antizyklisch müsse sie sich verhalten, meinete Gunda. Und deshalb sei der längst fällige Umbau des Bades dran, gerade weil in der Haushaltskasse Ebbe sei. Walter wollte das nicht einsehen. Seine Vorschläge, die Massnahme um ein weiteres Jahr zu verschieben, oder erst mal nur die Mittel für die Planung vorzusehen, stießen bei Gunda auf taube Ohren: „Des Bod werdd baud, weil des stäihd etz schließli scho fimpf Johr in meim Middelfrisdigen Invesdidionsblan.“ Walter gab erst klein bei, als Gunda ihm bei weiten Uneinsichtigkeiten eine „zwanzich brozendiche Büdscheekürzung für dein Schdammdisch“ androhte.

Der neue Mieter, Herr Ötztürk (Wolfgang Böss), den die Hausgemeinschaft schriftlich und energisch bei der Hausverwaltung verhindern wollte, stellte sich als der neue Hausbesitzer vor, der das Haus kürzlich gekauft habe, und nun auf gute Nachbarschaft hoffe. Frau Humpl (Karin Völkl), der Briefträger (Herbert Creutz) und Herr Schmidt (Herbert Beck), die gerade den Brief an die Hausverwaltung unterschreiben wollten, waren dann auf einmal sch...freundlich. Und Herr Ötztürk fand, dass die Deutschen doch sehr nette Leute seien. Er hatte ja das Gespräch vorher nicht mitbekommen.

Zum Schluss trösteten die „Sozi-Singers“ – an der Gitarre Theater-Debütant Werner Birn - in einem ihrer Lieder die Graffiti-Wirtin mit dem Lied „Weine nicht, kleine Eva, denn dein Kino bleibt besteh’n“, ein dezenter Hinweis auf den Erfolg, die Bebauung des Baudergrabens in die geschützte Grünfläche hinein und damit bis an die Grenze des Biergartens zu verhindern.

Insgesamt war der Theaterabend ein voller Erfolg. Die Zuschauer (der Sparkassensaal war bis auf den letzten Platz besetzt) bedankten sich bei den Akteuren mit langanhaltendem Applaus. Und das anschliessende kalte Buffet, vorbereitet von den SPDlerinnen, war vom Feinsten.

 

SPD-Ortsverein-Vorsitzender Bernhard Heinlein begüsst die Gäste

 

 

 Karin Völkl und Ernst Bergmann in ihrern Paraderollen als Gunda und Walter

 

„Weine nicht, kleine Eva“, die Sozi-Singers Herbert Creutz, Wolfgang Böss, Werner Birn, Karin Volkl, Herbert Beck, Ernst Bergmann

 

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