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SPD Altdorf bei Nürnberg >> Presse |
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Pressemitteilung vom 18. September 2008 Mindestlohn
und Arbeitsplätze
ALTDORF – Vernichte Mindestlohn Arbeitsplätze?
Welche denn? Beim Informationsstand der Altdorfer SPD zum Thema Mindestlohn
war das Interesse an diesem Thema sehr groß. An folgendem Szenario wurde
die Problematik dargestellt: Stellen
Sie sich vor, Sie hätten einen gut funktionierenden Betrieb, eine
Reinigung etwa. Sie bieten diese Leistung zur Zufriedenheit ihrer Kunden
an, Sie zahlen ihren Mitarbeitern einen anständigen Lohn, und
Reklamationen sind selten. Ihr Nachbar Herr “X”, will nun auch ein Stück
vom Kuchen haben, macht nebenan auch eine Reinigung auf, und verlangt z.B.
für ein gebügeltes Hemd deutlich weniger als sie. Wo lassen ihre Kunden
demnächst ihre Hemden waschen und bügeln? Richtig, bei der Konkurrenz.
Und sie können ihren Betrieb schließen. Und warum kann der billiger sein
als sie? Der hat doch vergleichbare Unkosten, wie Strom, Wasser, Maschinen,
Miete, und die Hemden sind auch nicht besser gewaschen oder gebügelt. Aber
seinen Mitarbeitern zahlt er erheblich weniger, so wenig, dass sie ergänzendes
Arbeitslosengeld II beantragen müssen, um ein Einkommen zu haben, von dem
sie überhaupt leben zu können. Dieses Arbeitslosengeld wird aus
Steuermitteln gezahlt. Der Steuerzahler bezahlt also dieses Lohndumping
mancher Firmen. Und unser Herr „X“ kann also dasselbe Produkt wie sie
anbieten, nicht in besserer Qualität, und sich auf Kosten des
Steuerzahlers die Konkurrenz vom Hals schaffen und Gewinn machen. Grundsicherung
wird vom Bezirk bezahlt. Der bekommt den größten Teil seiner Mittel über
die Bezirksumlage von den Landkreisen, und die Landreise bekommen ihre
Mittel von den angeschlossenen Gemeinden. Also: die Stadt Altdorf
finanziert anteilig mit der Kreisumlage den Landkreis Nürnberger Land, und
unser Landkreis dann anteilig über die Bezirksumlage den Bezirk
Mittelfranken. Aus diesen Mitteln werden dann die Lohnergänzungszuschüsse
gezahlt. Gäbe es in diesem Sektor einen gesetzlich vorgeschriebenen
Mindestlohn, müßte Herr “X” seine Produkte in besserer Qualität oder
mit besserem Service anbieten, das wäre dann echte Konkurrenz , auch im
Sinne sozialer Markwirtschaft. Aber so, ohne diesen Mindestlohn, ist es natürlich
der Wirtshaft recht: Kann man sich doch so die Konkurrenz vom Hals schaffen
und auch noch auf Kosten der Steuerzahler und der Mitarbeiter Gewinne
machen. Die Lösung des Problems, wie die Menschen über die Runden kommen,
wird dem Staat überlassen. Und unsere Politiker machen da auch noch mit.
Von CDU/CSU und FDP hört man reflexartig nur, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze
vernichten. Ja natürlich vernichten die Arbeitsplätze, nämlich die
unanständig bezahlten, von denen keiner leben kann. Mindestlohn
ist in Bayern ein Verfassungsauftrag. Im Artikel 169
steht es wortwörtlich: „Für jeden Berufszweig können Mindestlöhne
festgesetzt werden, die dem Arbeitnehmer eine den jeweiligen kulturellen
Verhältnissen entsprechende Mindestlebenshaltung für sich und seine
Familie ermöglichen“. Und der Mindestlohn von 7,50 Euro stellt ein Limit
dar. Darunter fällt man unter die Armutsgrenze. Die CSU lehnt einen
gesetzlichen Mindestlohn ab und bricht damit diesen Verfassungsauftrag. 18
von 25 europäischen Ländern, sowie die USA, Japan und Kanada haben
bereits einen grundsätzlichen Mindestlohn eingeführt, ohne dass deren
Wirtschaft zusammengebrochen ist. Im Gegenteil. Wer
arbeitet, muss sich und seine Familie ernähren können. Es gibt wahrlich
genug Gründe, einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, denn der
Niedriglohnsektor breitet sich rasant aus. Immer
mehr Menschen sind arm trotz Arbeit: ·
377.000 Menschen in Bayern müssen zusätzlich zu ihrer
regulären Arbeit einen Nebenjob ausüben, weil ihr Einkommen nicht
ausreicht. ·
743.000 Menschen in Bayern verdienen weniger als 400 Euro
pro Monat. ·
Kinderarmut kommt von zu geringen Einkommen, dadurch
verschlechtern sich die Bildungschancen. ·
Rund 500.000 Menschen sind trotz Vollzeitbeschäftigung
auf Grundsicherungsleistungen aus Steuermitteln angewiesen. ·
Über 60% der Beschäftigten im Niedriglohnbereich haben
eine abgeschlossene Berufsausbildung. Sie leisten gute Arbeit und haben
gerechte Löhne verdient. ·
Die Konkurrenz zwischen europäischen Arbeitnehmern wird
mit dem Mindestlohn eingedämmt. ·
Stärkung der Binnenkaufkraft zur Unterstützung des
einheimischen Arbeitsmarktes. ·
Höhere Löhne führen zu einer verbesserten Situation in
den Sozialkassen und verhindern Altersarmut. Nach
der Einigung der Koalition auf einen Mindestlohn für Briefzusteller
verlangte CSU-Chef Huber, Mindestlöhne in keinen weiteren Branchen einzuführen.
Dieser Widerstand ist skandalös. Zehn Prozent der Menschen in Bayern
gelten als arm. Mindestlöhne sind Brandmauern gegen die Armut. Wer
arbeitet, muss davon leben können. Es ist nicht hinnehmbar, dass in Bayern
80.000 Menschen neben ihrem Lohn noch Hartz-IV-Empfänger sind. Der
Mindestlohn sei daher nicht nur ein Gebot des Sozialstaats, sondern folge
auch der volkswirtschaftlichen Vernunft und schütze faire Arbeitgeber vor
Lohndumping aus dem Ausland und der Konkurrenz. Damit werde die deutsche
Wirtschaft konkurrenzfähig. Es sei lächerlich, wenn behauptet wird, dass
7,50 Eure in der Stunde beispielsweise für eine Reinigungskraft den
wirtschaftlichen Aufschwung gefährden.
Und viele Standbesucher haben sich nach diesen anschaulichen Informationen dann auch in die ausgelegten Unterschriftenlisten zum DGB-Volksbegehren “Mindestlohn in Bayern“ eingetragen.
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