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SPD Altdorf bei Nürnberg >> Presse |
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Pressenachricht vom 9. September 2006 Bayern ist das Land der Bildungsungerechtigkeit - Bayern beim „Sitzen bleiben“ Spitze ALTDORF - „Bildung fängt in Altdorf an“. Ernst Bergmann, Bürgermeisterkandidat der Altdorfer SPD, hatte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Kindergärten, Horten, Schulen und der Erwachsenenbildung eingeladen. Bildung beginne zuerst in den Kommunen, und Bildungschancen dürfe nicht vom Geldbeutel der Eltern und von der ethnischen oder sozialen Abkunft abhängen. Jedes Kind ist wichtig - keines dürfe auf dem Weg durch die Schule verloren gehen. Gastredner MdL Dr. Thomas
Beyer eröffnete sein Referat mit Beispielen aus und Stellungnahmen der
SPD-Landtagsfraktion zu dem im Juli 2006 vom
Bayerischen Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung
(KISB) vorgelegten Bildungsbericht. Dieser stelle der Staatsregierung ein
verheerendes Zeugnis aus und dokumentiere deren Reformunfähigkeit. Die CSU
habe keine Antworten auf die schulpolitischen Fragen unserer Zeit. Bayern
sei das Land der Bildungsungerechtigkeit. Danach
scheint das bayerische Bildungswesen in Beton gegossen. Es hat sich nichts
verändert, was Schulabschluss und Bildungsbeteiligung anlangt. Positiv
ausgedrückt: „Bayernweit sind die Übertrittsquoten überraschend stabil
geblieben..“. Bayern sei beim Sitzen bleiben
Spitze: Bundesdurchschnitt 3,6 Prozent, Bayern 6 Prozent. Eindeutig
sei der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, Einkommen der Eltern und
Schulleistung: „Je höher das monatliche Haushaltseinkommen ... desto
bessere Noten erreichten sie im letzten Halbjahreszeugnis.“ Und
„...desto mehr Übertritte gibt es an das Gymnasium. Je höher die
Arbeitslosigkeit (...) ist desto mehr Kinder besuchen ... die Hauptschule
und desto niedriger ist die Übertrittsquote an die Realschule.“ Ausländerkinder
haben deutlich noch schlechtere Chancen als deutsche Kinder. Und in Bayern
verlassen besonders viele Hauptschüler verlassen die Schule ohne
Abschluss. Deshalb seien immer
mehr Eltern zu privater Nachhilfe gezwungen, um den Schulerfolg ihrer
Kinder sicherzustellen. Und nicht nur die Gymnasiasten seien betroffen.
Inzwischen erhielten 20 Prozent aller Grundschüler Nachhilfe. Grund: die
Schulen können ihren Bildungsauftrag immer weniger erfüllen.
Milliardensummen müssen privat in Bildung investiert werden. Dr.
Beyers Fazit: „Die Staatsregierung war in den letzten 15 Jahren nicht in
der Lage, die gravierenden Ungerechtigkeiten im bayerischen Bildungswesen
aufzulösen.“ In einem
Dringlichkeitsantrag fordere die SPD Konsequenzen aus dem Bildungsbericht
zu ziehen. Dem Parlament sollte ein Konzept zur Schulreform vorgelegt
werden, das geeignet sei, die Defizite im bayerischen Bildungs- und
Schulwesen nachhaltig zu beseitigen. Dafür seien die
Bildungsinvestitionen deutlich zu erhöhen: Mehr pädagogisches Personal für
die dringend notwendige individuelle Förderung der Schüler und Schülerinnen,
kleinere Klassen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen
und Lehrer und die Einrichtung von Ganztagsschulen überall dort, wo Bedarf
besteht und Kommune, Schule und Eltern dies wünschten. Und damit der
herzige Spruch „Kurze Beine, kurze Wege“ von Staatssekretär Freller
aus dem Kultusministerium nicht folgenlos bliebe, der Erhalt der
Schulstandorte nach dem Prinzip: “die Schule muss im Dorf bleiben“.
Ebenso solle die Schließung der TeilhauptschuIen ausgesetzt werden bis ein
nachhaltiges Konzept vorgelegt wird, das die Ergebnisse des
Bildungsberichts berücksichtige. Auch das neue Bayerische
Kindergartengesetz, das ja die Voraussetzungen für Bildung schon in den
Kindertagesstätten schaffen sollte, geht in diesem Punkt über
Lippenbekenntnisse nicht hinaus. Ministerpräsident Stoiber verweise zwar
auf erforderliche Sprachkenntnisse, verschweige jedoch, dass es dafür
keinerlei zusätzliche Finanzierung gibt. Sprachförderung erfolge
nach den jetzigen Vorgaben im Rahmen der normalen Gruppenarbeit. Es gäbe
weder spezielle Ausbildungsprogramme für die Erzieher noch eine
Verkleinerung der Gruppen. „Wie soll man mit 25 Kindern eine gezielte
Sprachförderung realisieren?“ Deshalb müsse dieses Gesetz dringend
nachgebessert und ein solides Finanzierungskonzept für die Vorkurse im
Kindergarten vorgelegt werden. Das umstrittene Buchungssystem verhindere
eine langfristige konzeptionelle Arbeit. Wenn Kinder nur für Stunden und
auch noch an unterschiedlichen Tagen angemeldet würden, und
Mitarbeitereinstellungen dann auch noch von den aktuellen Buchungszahlen
abhingen, wie solle man da nachhaltig arbeiten? Offensichtlich
ist die „Schwarze Null“ im Bayerischen
Staatshaushalt wichtiger als Bildung, Familie, Soziales, Kultur. Bürgermeisterkandidat
Bergmann meinte anschließend, dass eine Kommune mit diesen Vorgaben leben
müsse und führte an, dass beispielsweise die Umsetzung des neuen
Kindergartengesetzes auch die Stadt Altdorf vor einige Probleme stelle.
Derzeit sei die Betreuungssituation in Kindertagesstätten gut. In zehn
Kindergärten mit insgesamt 21 Gruppen gebe es 515 Plätze, davon seien zum
jetzt beginnenden Kindergartenjahr 2006/2007 nahezu alle belegt. Daneben
gebe es zwei Kinderhorte und zwischenzeitlich zwei Kinderkrippen. In diesem
Zusammenhang freute sich Ernst Bergmann besonders, dass das über zehn-jährige
Provisorium des Montessori-Kindergartens im Feuerwehrhaus endlich beendet
sei. Man müsse aber die Situation der Kindertagesstätten sehr genau
beobachten und notfalls rasch reagieren. Einen
besonderen Schutz sollen die ein-gruppigen Kindergärten in den Ortsteilen
erfahren, gerade weil die durch das neue Kindergartengesetz besonders gefährdet
seien. Ein wichtiger erster Schritt habe der Stadtrat getan und den
Kindergarten in Eismannsberg als „Landkindergarten“ anerkannt. Damit
habe die Einrichtung für die kommenden Jahre einen gewissen
Bestandsschutz. Kein
Verständnis zeigte Bürgermeisterkandidat Ernst Bergmann für die starre
Haltung der Gemeinde Leinburg, wenn es um Gastschulanträge für Schüler
aus Weissenbrunn gehe, die die Hauptschule Altdorf besuchen wollen. Obwohl
seitens der Stadt Altdorf als auch der Hauptschule Altdorf dem nichts in
den Weg gestellt werde, werden diesen Anträge von der Gemeinde Leinburg
nicht stattgegeben, mit der Folge, dass Schüler aus Weissenbrunn bis nach
Röthenbach/Pegnitz in die Schule müssen, obwohl die Hauptschule Altdorf
quasi vor der Haustür liegt. Dies habe nichts mit Vereinbarkeit von
Familie und Beruf zu tun, so Bergmann. MdL Dr. Thomas Beyer ist skeptisch, was die Überlebenschancen der Hauptschulen in Bayern angeht. So werde nach seiner Meinung die flächendeckende Schließung der Teilhauptschulen schon jetzt umgesetzt, um zur Landtagswahl 2008 ein Reizthema weniger zu haben, und nach der 2009 geplanten Gebietsreform wird nach seiner Einschätzung die Hauptschullandschaft bereinigt.
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