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Pressemitteilung vom 24. Juni  2004

Ludwig Hummel wäre am 22. Juni 100 Jahre alt geworden

„Wenn es sich gelohnt hat zu leben, dann deshalb, weil es ein politisches Leben war,“ Ludwig Hummel, Ehrenvorsitzender der Altdorfer SPD, an seinem 70. Geburtstag

SPD-Ortsverein Altdorf und der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt gedachten ihres Ehrenvorsitzenden mit einer Kranzniederlegung  an seinem Grab auf dem Altdorfer Waldfriedhof und einer Gedenkfeier in der Anni-und-Ludwig-Hummel-Seniorentagesstätte der Altdorfer Arbeiterwohlfahrt.

In stillem Gedenken ehrten der SPD-Ortsverein Altdorf, der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt, das DGB-Ortskartell Kreis Nürnberg-Land, ehemalige Freunde, Wegbegleiter, Arbeits- und Stadtratskollegen und Mitstreiter. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Beyer und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Lucie Kurlbaum-Beyer nahmen teil.

Die anschließende Gedenkfeier fand in der Begegnungsstätte der Altdorfer Arbeiterwohlfahrt in der Feilturmgasse statt. Bernhard Heinlein, Vorsitzender der Altdorfer SPD, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, neben den schon genannten den ersten Bürgermeister der Stadt Altdorf, Rainer Pohl, den ehemaligen  2. Bürgermeister Erich Stoll und den ehemaligen Stadtrat Georg Meier, die mit Ludwig Hummel  zwei bzw. drei Stadtratsperioden zusammen gearbeitet haben, Heinrich Wack als ehemaligen Arbeitskollegen, für das DGB-Ortskartell Kreis Nürnberg-Land Ernst Sichert und Heinz Geyer, den Vorsitzenden des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg-Land Reinhard Löhner  und weitere Vorstandsmitglieder.  Heinlein beschrieb Ludwig Hummel als eigenwilligen, aber immer gerechten Sozialdemokraten mit Rückgrat.

Rainer Pohl schilderte anschließend das Leben und das Engagement und die Verdienste des 1995  Verstorbenen.

In der MAN Nürnberg erhielt er eine Ausbildung zum Mechaniker, die Gesellenprüfung legte er mit Auszeichnung  ab. Seit 1933 war er dann bei der Firma Georg Müller in Nürnberg, wo er 1958 bis zum Betriebsleiter aufstieg. 1927 trat er in die SPD ein. Er hat hautnah mitbekommen, wie die Nazis mit Andersdenkenden umgingen. Diese Erfahrungen mit der Diktatur haben ihn zu einem aufrechten Demokraten gemacht. Pohl bezeichnete Ludwig Hummel als einen der profilierteste Politiker der Nachkriegszeit im Landkreis und der Stadt Altdorf, der die Entwicklung seiner Heimat nach dem II. Weltkrieg wesentlich mitgestaltet hat.

Sofort nach dem Krieg beteiligte er sich am Wiederaufbau sozialdemokratischer Strukturen und sozialem Engagement. Er arbeitete 7 Jahrzehnte in der Gewerkschaftsbewegung, und gründete 1946 in Altdorf mit dem damaligen Landrat Georg Lowig den Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt wieder. Vorrangiges Aufgabe war damals, Flüchtlingen und Ausgebombten zu helfen.

Ab 1948 war er für die SPD 32 Jahre lang im Stadtrat, daneben von 1946 bis 1960 Kreisrat im Kreistag Nürnberg und von 1966 bis 1978 Kreisrat im Nürnberger Land, 20 Jahre lang war er SPD-Ortsvereins-Vorsitzender.

Pohl nannte als herausragende Beispiele seines politischen Wirkens die Elektrifizierung der Bahnlinie nach Altdorf , ohne die es heute sicher noch keine S-Bahn Altdorf - Nürnberg gäbe, und sein Engagement für das damalige Altdorfer Grundkrankenhaus. Als vom Landkreis beauftragter Pfleger erkannte er bald, das dieses nicht zu erhalten war.  Er betrieb deshalb mit Vehemenz den Ausbau zur Fachklinik. Zusammen und mit Unterstützung von Prof. Dr. Becker und Bürgermeister Dötsch gründete er die private Realschule Altdorf, den Vorläufer des Leibniz-Gymnasiums. Er verhinderte, dass das Feuerwehrgerätehaus auf den Rossweiher kam, was eine absolute Verschandelung des Stadtbilds an dieser Stelle gewesen wäre, und er war der letzte (fast einzelne) Kämpfer gegen den Umbau des Marktplatzes in die heutige Form, von vielen inzwischen verflucht und gerne wieder rückgängig gemacht. Den heutigen Waldfriedhof, das Neubaugebiet am Fürstenschlag und die  Schiefe Ebene zwischen Kappelgraben, die Behinderten den Zugang zum Bahnhof erleichtert, gäbe es ohne sein Engagement nicht.

Rainer Pohl, war mit Ludwig Hummel von 1972 bis 1978 gemeinsam im Stadtrat . Er bezeichnet ihn als sein Vorbild, der ihn bewegt hat, sich politisch zu engagieren und in die SPD einzutreten. Er war ein hilfsbereiter Wegbegleiter, der immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Eines seiner Ziele war, dafür zu sorgen, dass das Zusammenleben in der Stadt sozial und ausgewogen sei.  Dafür danke ihm die Altdorfer SPD besonders.

Sein politisches Wirken als Sozialdemokrat wurde nicht nur nicht von den kommunalen Stellen und von Freunden im Ortsverein und im Landkreis gewürdigt.1984 wurde er zu seinem 80. Geburtstag mit der Georg-von-Vollmar-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung, die die bayerische SPD vergibt. Ludwig Hummel war damals der vierte Träger dieser Medaille im Landkreis. Der damalige SPD-Landesvorsitzende Dr. Helmut Rothemund, überreichte die ihm vom Partei-Präsidium zuerkannte Medaille mit der Begründung „Ludwig Hummel hat sich ein Leben lang für die Menschen ein­gesetzt, insbesondere für die Bedürftigen. Er hat eine lange Wegstrecke maßgeblich die Kommunalpolitik beeinflusst und mitgestaltet.“

Reinhard Löhner, Vorsitzender des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg-Land,  schilderte das Engagement von Ludwig Hummel für die Arbeiterwohlfahrt . Von 1962 bis 1981 war er Kreisvorsitzender. „Als er dann das Ruder abgab und zum Ehrenvorsitzendenernannt wurde, übergab er ein wohlbestalltes Haus mit zwei vorbildlichen Alten- und Pflegeheimen (...) einem aktiven Kreisverband und rührigen Ortsvereinen und Altenclubs“ (DER BOTE vom 28./29. Januar 1995).

Marksteine seines Engagements bei der Arbeiterwohlfahrt waren der Bau des Altenheimes (1951) und des Pflegeheimes (1957) in Mimberg, der Umbau und die Erweiterung des Altenwohnheimes  Faberschloss in Schwarzenbruck, das damals zu den modernsten Altenwohn- und Pflegeheimen in Deutschland zählte, und der Bau des Kindergartens in Altenfurt. Löhner war erst Vertreter und dann Nachfolger von Hummel im AWO-Vorstand. Er betonte besonders die freundschaftliche Verbundenheit. Er und die Arbeiterwohlfahrt hätten ihm sehr viel zu verdanken und würden ihn nicht vergessen. Um ihm und seiner Frau Anni, die durch Tätigkeiten ihres Mannes viele Entbehrungen auf sich nehmen musste, zu ehren, trägt der Seniorentreff  der AWO in der Feilturmgasse den Namen  „Anni-und- Ludwig-Hummel-Begegnungsstätte“ Anni Hummel war selbst jahrelang Leiterin des Altenclubs der Altdorfer Arbeiterwohlfahrt.

Alle Auszeichnungen aufzuzählen, die er für seine Arbeit bekam, ist fast unmöglich. Erwähnt seien hier nur noch das Bundesverdienstkreuz und die goldene Ehrennadel des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Dr. Helmut Ritzer bezeichnete ihn bei der Verleihung der Kurt-Adelmann-Medaille als das „soziale Gewissen des Altlandkreises“.

Für die ehemalige Bundestagsabgeordnete (von 1953 bis 1969) Lucie Kurlbaum-Beyer war es eine besondere Ehre, ihre persönliche Verbundenheit zu Ludwig Hummel zum Ausdruck zu bringen. Die 90jährige würdigte besonders das Engagement Hummels für Ausgebombte und Flüchtlinge, sie mit Wohnung, Kleidung und Nahrung zu versorgen. Wer wie sie selbst das Elend der Nazi-Diktatur des Krieges und des Ausgebombtseins erlebt habe, würde das nie vergessen. Lucie Kurlbaum-Beyer ging in ihrer Rede auch auf die aktuelle politische Situation ein. Schon Helmut Schmitt habe die Sozialgesetzgebung reformieren wollen, weil seinerzeit schon absehbar war, dass sich die gesellschaftlichen Strukturen ändern würden: die Wirtschaft würde und konnte nicht dauernd so florieren, es würden weniger Kinder geboren, und die Alterpyramide  würde sich auf Grund gestiegener Lebenserwartung dramatisch ändern. Nun müsse die jetzige SPD-Regierung das ausbaden, was die Kohl-Regierung unterlassen habe: die notwendigen Änderungen rechtzeitig anzugehen und nicht ein ums andere mal zu vertagen. Und nun lasse man die Regierung im Stich, die Umstände scheinheilig bedauernd, die man doch selbst herbeigeführt habe.

SPD und AWO beim gemeinsamen Gedenken auf dem Altdorfer Friedhof

von links nach rechts, vordere Reihe:

-     Bernhard Heinlein, Vorsitzender SPD-Ortsverein

-     Rainer Pohl, erster Bürgermeister

-     Dr. Thomas Beyer, SPD-landtagsabgeordneter

-     Reinhard Löhner, Vorsitzender des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg-Land

-     Lucie Kurlbaum-Beyer, ehemalige Bundestagsabgeordnete

 






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