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SPD Altdorf bei Nürnberg >> Presse |
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Pressemitteilung vom 28. Juni 2009 Glückliche
Postagenturbetreiber, gibt es die? Agentur-Betreiber
haften wie ein Bankdirektor ALTDORF
– Torsten Modery, ehemaliger Post-Agentur-Betreiber
und Vorsitzender des Postagentur-Unternehmerverbandes Deutschland (pagd
e. V.) war zu Gast in Altdorf. SPD-Altdorf, „altdorfaktiv“ und der
Arbeitskreis Feuchter Gewerbe (AFG) hatten gemeinsam zu einer
Informationsveranstaltung in die Altdorfer Stadthalle eingeladen, um Bürgerinnen
und Bürger, besonders aber am Betrieb einer Postagentur Interessierte über
Hintergründe und zum Teil erschreckende Tatsachen zu informieren, z. B.
mit welchen Risiken ein Post-Agentur-Betreiber umgehen muss und wie spärlich
die Entlohnung ist. Moderator Werner Birn, Zweiter Vorsitzender
der SPD-Altdorf, stellte kurz die Vorgeschichte der Veranstaltung dar. In
den vergangenen Monaten gab es bereits Protestaktionen gegen die Pläne der
Post AG, die Filialen in Altdorf und in Feucht zu schließen. Unter reger
Beteiligung der Bevölkerung wurden Unterschriften in beiden Kommunen
gesammelt und an verantwortliche Stellen übergeben. Sogar in Eismannsberg
lief man Sturm gegen die Einstellung der dortigen Agentur in einem
Lebensmittelgeschäft. Bislang blieben alle Aktionen ohne erkennbaren
Erfolg, Erich Odörfer, Erster Bürgermeister in
Altdorf, berichtete, dass die Stadtverwaltung erstmals im Januar 2009
offiziell von den Schließungsplänen zur hiesigen Filiale erfuhr. Der
Stadtrat habe eine Resolution gegen die Pläne der Post verabschiedet. Und
er habe einen Termin mit dem zuständigen Politikbeauftragten der Post AG
vereinbart, jedoch sei ein vernünftiges Gespräch wegen der Arroganz des
Post-Vertreters erst gar nicht zustande gekommen. Inzwischen sei das Gebäude
in der Bahnhofstraße bereits verkauft. Der neue Eigentümer, eine
Immobiliengesellschaft, suche bereits eine neue Verwendung für die
Liegenschaft. Odörfer stellte seine Bemühungen dar, an die Unterlagen der
Liegenschaft zu kommen, für den Fall, dass die Stadt Altdorf der Mieter
oder Käufer sein könnte. Aber man habe offensichtlich kein Interesse an
Kommunen und die Unterlagen erst gar nicht zugeschickt. Leider hatte der der zuständige
Politikbeauftragte der Post AG, der ebenfalls zur Veranstaltung eingeladen
war, seine Teilnahme abgesagt und auch auf Nachfrage keinen Vertreter
geschickt. Konrad Rupprecht, Erster Bürgermeister in
Feucht, zeichnete ein düsteres Bild. Nach allen vergeblichen Bemühungen
zeigte er sich pessimistisch, was den Erhalt der Filiale in Feucht
betrifft. Die Abgeordneten im Bundestag hätten sicher nicht gewusst, über
was genau sie abstimmten, als sie dem Plan der Filialschließungen im
Rahmen der Privatisierung der Post AG ihre Zustimmung erteilten, so
Rupprecht. Die Orts- und Stadtzentren, in denen die Filialen meist liegen,
würden durch die Schließungen weiter geschwächt. Beispielsweise würde
sich in Feucht kein Gewerbetreibender im Zentrum als Partner für eine
Post-Agentur finden. Die erkennbare Strategie der Post sei eher mit großen
Supermärkten in den Außenbereichen zu kooperieren. So sei REWE bereits
ein Vorzugspartner. Die Vertreterin vom AFG, Kerstin Möges,
sowie der Vertreter von „altdorfaktiv“, Harald Moeller, berichteten über
die negativen Auswirkungen der jeweiligen Postfilialschließungen.. Die
PostAG werde aus den Reihen der AFG- und „altdorfaktiv“-Mitgliedern
wohl kaum einen Partner finden. Nach vorsichtigen Schätzungen müssten
mindestens 30 Quadratmeter für Verkaufs- und Lagerflächen abgezweigt
werden. Und dass es sich bei den Schließungen um rein strategische
Entscheidungen handle zeige die Tatsachen, dass die beiden Postfilialen in
Altdorf und Feucht sehr gut von der Bevölkerung angenommen würden und der
Service und die Freundlichkeit der Beamten ausdrücklich gelobt werde. Das Grundgesetz, so Ursula Weser,
Bildungsbeauftragte der Altdorfer SPD, in
ihrem Kurzreferat über die Gesetzesentwicklung, schreibe die flächendeckende
Versorgung mit Postdienstleistungen vor. 1993 sei es wegen der geplanten
Umwandlung von einem staatlichen in ein privatwirtschaftliches Unternehmen
an die privatwirtschaftlichen Gesichtspunkte angepasst worden. In der
sogenannten „Post- und Dienstleistungsverordnung“ seien weitergehende
Qualitätsmerkmale definiert sowie in welcher Verteilung postalische
Dienste bezogen auf die Bevölkerungsdichte vorzuhalten sind. So gäbe es
eine Verpflichtung in Wohngebieten mit 2000 Einwohnern eine Poststelle
einzurichten. Anschließend stellte Torsten Modery seine
Erfahrung dar. Er selbst betreibe ein Reisebüro und hatte eine
Post-Agentur mit in sein Geschäft aufgenommen. Diese habe er jedoch
inzwischen wegen der vielfältigen Risiken, der Abhängigkeit von der Post
und letztlich auch wegen der unbedeutenden Verdienstmöglichkeiten wieder
aufgegeben. Er berichtete, dass die Post AG die Verträge in arroganter Art
vorgibt, sie wieder verändert, wenn die Umsatzzahlen nicht stimmen, aber
die Risiken doch voll und ganz beim Agentur-Betreiber lasse. Man müssen z.
B. teure Versicherungen gegen Diebstahl und Einbruch abschließen und die
baulichen Versicherungsauflagen aus der eigenen Tasche bezahlen. Wenn zur
Agentur eine Postbank-Filiale gehört, dann müsse ein erheblicher
Geldbetrag zur täglichen Auszahlung zur Verfügung gehalten werden, der
vom Betreiber der Agentur vorgestreckt werden müsse. Mit besonderen
Sicherheiten, Bürgschaften oder Grundschulden müsse man den täglichen
Verfügungsrahmen von 30000 bis 50000 Euro beim Betrieb einer
Postbank-Agentur in Eigenverantwortung ermöglichen. Die Haftung sei mit
der eines Bankdirektors zu vergleichen. Die Risiken würden in keiner Weise
in der Entlohnung berücksichtigt. Die Agentur müsse jeden Werktag das
ganze Jahr über geöffnet sein, was bedeutet, dass man im Falle von
Krankheit für eine ausgebildete Vertretung sorgen müsse, entweder aus dem
Familienumfeld oder durch Angestellte oder durch Anmietung eines
Postbeamten für 25 Euro die Stunde. Das seien dann durchschnittlich pro
Tag (bei 8 Stunden Öffnung) 200 Euro. Die Monatspauschalen für
Filialbetreiber lägen aber nur zwischen 800 und 1400 Euro. „Den
glücklichen Postagenturbetreiber, gibt es den?“ fragte Moderator Birn.
Natürlich gäbe es auch zufriedene Agentur-Betreiber. Wenn das Hauptgeschäft
nicht beratungsintensiv sei, ließe sich das Postgeschäft am besten in den
Betriebsablauf integrieren. Durch die vermehrte Kundschaft sei dann sogar
eine Belebung des Hauptgeschäftes möglich. Jedoch wären in den
seltensten Fällen in den Ortszentren alle nötigen Gegebenheiten
vorhanden, um zum Beispiel das Weihnachtspaketgeschäft abzuwickeln oder
auch genügend Parkplätze im Umfeld zu bieten. Dies bedeute, dass in den
allermeisten Fällen der Postablauf das Hauptgeschäft sogar störe. Der
Umsatz des Hauptgeschäftes würde dementsprechend geringer und die Abhängigkeit
von der Post AG wiederum größer. Ein Teufelskreis also für den, der den
Absprung nicht rechtzeitig schaffe, jedoch stets mit dem Nachteil
verbunden, dass ein Betreiber, der seine Post-Agentur aufgibt, immer als
Buhmann in der Bevölkerung dastehe, weil die Postdienste eben plötzlich
nicht mehr wie gewohnt vorhanden seien. Als Fazit bekräftigte Modery die vorher
getroffen Aussage, dass die Post AG wegen der gesetzlichen Verpflichtung
gezwungen sei, die eigene Filiale weiter zu betreiben, sollte sie keinen
Agentur-Partner finden. Allerdings könne das auch mit reduzierter Öffnungszeit
geschehen, um Kosten zu einzusparen. „ Beschwerden über die postalische
Versorgung, wenn sie nicht nach den Vorgaben des Gesetzes erfolgen, richtet
man am besten an die Bundesnetzagentur, die die Verpflichtung hat, den
Klagen nachzugehen.“, ermunterte Modery die Anwesenden Nach einem anschließenden Fragen- und Antwortteil dankte
Werner Birn den Vortragenden und fasste zusammen, was stets zwischen den
Zeilen zu spüren war: Die Post AG, die ja noch immer zu 30% ein
Staatsunternehmen ist, verhält sich trotz Milliardengewinne offensichtlich
nicht zum Wohle der Bevölkerung, sondern orientiert sich am Kostenminimum,
das durch gesetzliche Vorgaben nötig ist. Der Artikel 14 des
Grundgesetzes „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem
Wohle der Allgemeinheit dienen.“ werde mehr und
mehr bedeutungslos, selbst in Staatsunternehmen.
Die Post AG hat fünf abgestufte Formate
definiert, mit denen die Versorgung entsprechend gesetzlicher Vorgaben
sichergestellt werden soll: ·
Erstens die Postcenter in etwa 850 großen Städten, an
denen auch von seiten der Post festgehalten werden soll, wie zum Beispiel
in Nürnberg. ·
Zweitens die Post-Filialen, wie in Altdorf und in Feucht,
deren Anzahl in Deutschland seit 1994 von etwa 14000 auf etwa 700
verringert wurde mit dem Ziel, sie ganz zu eliminieren. Nur dort, wo
vertragliche Bindungen bestünden, beispielsweise, dass die Liegenschaft
der Postbank gehöre, würde die Filiale aufrecht erhalten (Beispiel Lauf).
·
Das dritte Format sind die Post-Agenturen als Ersatz für
die Postfilialen, wie es in Altdorf und Feucht angestrebt wird. Inzwischen
gibt es schon 7100 Agenturen in Deutschland und davon etwa 1100 in Bayern. ·
Die Post-Service-Filialen als viertes Format beschränken
sich auf Postdienste, vergleichbar mit einer 400-Euro-Job-Basis. Beliebte
Partner hierfür seinen die Quelle-Shop-Betreiber. ·
Als fünftes und Minimum-Format seien die sogenannten
Post-Point-Betriebe zu nennen, deren Dienstleistung kaum über den Verkauf
von Briefmarken hinaus geht. Mit diesem Konzept ist die gesetzliche
Vorgabe der Flächenabdeckung möglich. Dadurch ergibt sich im Vergleich zu
fest angestelltem Postpersonal eine enorm verminderte Kostenstruktur, die jährliche
Milliardengewinne ermöglicht. |
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