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Ausgabe Juni 2006
Inhalt
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Bürgermeisterkandidat
Ernst Bergmann
In
der letzten Ausgabe der LUPE habe ich mich Ihnen persönlich
vorgestellt, in dieser und der nächsten Ausgabe möchte ich Ihnen
meine politischen Positionen nahe bringen, die ich in meiner
bisherigen zehn-jährigen Stadtratstätigkeit vertreten habe. Ich kann
und will mich für die anstehende Bürgermeisterwahl nicht neu
erfinden. Für das, wofür ich jetzt stehe, bin ich auch bisher im
Stadtrat eingetreten. Beginnen möchte ich mit dem Bereich, der mich
auch beruflich am stärksten berührt: Stadtentwicklung, Bauen,
Verkehr und Umwelt.
Altdorf
ist eine Stadt, die wächst, eine „Zuzugsstadt“. Sie ist als
Wohnstandort attraktiv, sie kann
den Menschen etwas bieten. Erfreulicherweise sind es gerade
junge Familien mit Kindern, die nach Altdorf kommen. Die
Kommunalpolitik ist daher gefordert, aktive Stadtentwicklung zu
betreiben, um dem Bedarf an Siedlungsflächen gerecht zu werden.
Schwerpunkt
jeder weiteren Wohngebietsentwicklung muss die Kernstadt Altdorf sein,
dort sind die Infrastruktureinrichtungen vorhanden, der Anschluss an
den öffentlichen Nahverkehr, die Kultur- und Freizeiteinrichtungen.
Bevor man aber die große Stadterweiterung nach Norden angeht, muss
man zunächst vorhandene Potenziale nutzen und kleinere Flächen zur
Bebauung freigeben. Es bietet sich auf Sicht gesehen an, zwischen
Rascher und Neumarkter Straße oder nördlich des Fürstenschlags die
Lücken zu füllen. Hier muss man zeitig an die Aufstellung von
Bebauungsplänen denken, um den Bedarf decken zu können, sobald er
entsteht.
In
den Außenorten wurden in den letzten Jahren, da wo es möglich und
sinnvoll ist, eine ganze Reihe von Neubaugebieten erschlossen. Derzeit
sehe ich wenig Bedarf, die großflächigen Ausweisungen im Flächennutzungsplan
beispielsweise in Hagenhausen oder Eismannsberg in die Tat umzusetzen.
Auch in unseren Außenorten muss es in Zukunft weitere
Siedlungsentwicklung geben. Diese hat aber in erster Linie die
Aufgabe, den örtlichen Bedarf zu decken, der z. B. dadurch entsteht,
dass die nächste Generation bauen will. Ob es dazu große Bebauungspläne
und Erschließungsmaßnahmen wirklich braucht, wage ich zu bezweifeln.
Man
muss in der Kernstadt wie in den Außenorten sehr sorgfältig darauf
achten, dass die Siedlungstätigkeit nicht unkontrolliert in die
Landschaft wächst, dass Ortsränder klar definiert sind und dass man
auch erkennt, wo man aufhören muss. Das Bauen im Außenbereich muss
sehr kritisch verfolgt und beschränkt werden. Sonst haben wir die berühmte
„zersiedelte Landschaft“ und das kann weder städtebaulich noch
umweltpolitisch gewünscht sein.
Die
Schaffung neuer Siedlungsfläche muss sich immer am Bedarf und an den
städtebaulichen und landschaftlichen Gegebenheiten orientieren, nicht
an den Grundstücksrealitäten oder am vorhandenen Kanal – doch
gerade nach diesen Gesichtspunkten wurde schon so oft Stadtentwicklung
in Altdorf gemacht.
Neubaugebiete
- ob nun in der Stadt oder in ihren Außenorten - sollten dabei nach
zeitgemäßen Grundlagen entstehen. Nicht immer ist das fränkische
Satteldach das allein selig machende. Die Ausrichtung der Gebäude
sollte sich daran orientieren, wie man optimal aus Sonne Energie
gewinnen kann. Wenn jemand ein Pultdach oder ein begrüntes Flachdach
will, soll man dies auch zugestehen, wenn es die örtliche Situation
erlaubt. Gerade im Neubaugebiet an der Winterschule wäre die Chance
vorhanden gewesen, einmal etwas Neues, Modellhaftes zu machen. Die
Chance wurde vom Stadtrat nicht genutzt.
Die
Stadt könnte durchaus Anreize schaffen, z.B. mit einer
unterschiedlichen Abwassergebührensatzung, wie es andere Städte
vormachen, dass Bauherren versickerungsfähigen Belägen den Vorzug
geben oder daran interessiert sind, ihr Regenwasser zu sammeln und
wieder zu verwenden. Meine Vorstöße in diese Richtung wurden bisher
leider stets mit Hinweis auf den enormen Arbeitsaufwand zurückgewiesen.
Die
Straßen in Wohngebieten sind für mich mehr als nur die befestigten Bänder
des motorisierten Verkehrs. Sie sind Außenraum, Kommunikationsraum,
Spielraum. Viel zu schade, nur für das Auto. Verkehrsberuhigte
Bereiche müssen in Wohnstraßen zum Standard werden. Ein aufmerksamer
Blick in den Feuerweg zeigt, was Straßen alles sein können. Hier
muss man denen, die nur möglichst schnell durchfahren wollen, einen
deutlichen Riegel vorschieben.
In
der Verkehrspolitik stand für mich schon immer weniger die
„Leichtigkeit des Verkehrs“ als das Sicherheitsbedürfnis von
Anwohnern, von Eltern, von Menschen mit eingeschränkter Mobilität,
Behinderten, Seniorinnen und Senioren im Vordergrund. Daher auch das
stete Bestreben der SPD-Stadtratsfraktion für mehr Fußgängerüberwege
am Marktplatz. Die 30-km-Zone am Marktplatz finde ich gut, die
30-km-Zone in den Außenorten auch. Zugegeben, die Kontrolle fehlt.
Diese liegt seit der mehrheitlichen Abschaffung der kommunalen
Geschwindigkeitsüberwachung nicht mehr in unserer Hand. Jetzt kommen
plötzlich viele Klagen über zu schnelles Fahren und über
unangepasste Geschwindigkeit. So schlecht war meines Erachtens die
kommunale Geschwindigkeitsüberwachung grundsätzlich nicht, man hätte
sie sicher im Sinne der Sicherheitsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger
optimieren können. Der Stadtrat hat sie aber schlicht und ergreifend
ohne große Diskussion mehrheitlich abgeschafft.
Funktionierende
Verkehrsberuhigung ruht auf zwei Säulen: verkehrsrechtliche Maßnahmen
und bauliche Maßnahmen. Die rechtlichen Maßnahmen sind mit
Aufstellen von Schildern meist erledigt. Die baulichen Maßnahmen müssen
folgen – so wie es der Haushalt der Stadt Altdorf leisten kann. Und
da wo die Straße dem Kreis oder dem Freistaat gehört, muss man immer
wieder auch bei den zuständigen Stellen bauliche Maßnahmen zur
Verkehrsberuhigung einfordern, auch wenn die sich noch so zieren.
Ein
zentraler Punkt meiner kommunalpolitischen Tätigkeit war und ist
immer der Umwelt- und Naturschutz. Mit der aufkommenden
Umweltschutzbewegung Mitte der Siebziger Jahre bin ich aufgewachsen,
meine ersten „politischen“ Aktivitäten waren als Jugendlicher im
Bund Naturschutz. Schließlich ist der Natur- und Umweltschutz auch
Teil meines Berufs als Landschaftsarchitekt geworden. Wir müssen uns
auf allen Ebenen für eine intakte Natur, für eine Schonung unserer
Landschaft und für einen verantwortungsbewussten Umgang mit unseren
Ressourcen einsetzen.
In
der Siedlungsentwicklung und auch in der Verkehrspolitik muss man sich
immer fragen: Wo geht etwas soweit auf Kosten von Natur und
Landschaft, dass man es nicht mehr verantworten kann? Man redet
derzeit auf allen politischen Ebenen so gerne vom „ökologischen
Ausgleich“ und gibt sich damit einen Freibrief, alles sei möglich,
weil man ja an anderer Stelle dafür Ausgleich oder Ersatz schaffen könne.
Manches ist aber nicht ausgleichbar, nicht ersetzbar. Und wenn man
schon durch Baumaßnahmen in natürliche Strukturen eingreift und
diese damit vernichtet, dann sollten sie im unmittelbaren Umfeld des
Eingriffs auch wieder ausgeglichen werden. Deswegen haben wir auch völlig
zu Recht im Gewerbegebiet Unterwellitzleithen den ökologischen
Ausgleich vor Ort und nicht in Eismannsberg oder im Pfaffental
geschaffen.
Ohne
Frage stehen wir auch in der Energiepolitik vor großen
Herausforderungen. Das betrifft zwar in erster Linie die Bundespolitik
– die ist hier gefordert. Die Förderung von regenerativen
Energieformen muss politisch in den Vordergrund rücken. Der Energie
aus nachwachsenden Rohstoffen, Energieerzeugung aus Wind, Wasser,
Sonne muss das Augenmerk gelten. Kohle und Atom haben langfristig
ausgedient.
Aber
gerade auch die Kommunen sind gefordert. Solarthermie und Photovoltaik
– also die Erzeugung von Wärme und Strom aus Sonnenenergie - gehören
inzwischen fast schon zum Standardprogramm von Neubauten. Die Stadt
muss hierbei den Weg ebnen und die planerischen Voraussetzungen
schaffen. Die Ausrichtung von Dächern nach der Sonne ist mir
wichtiger als die Farbe der Dacheindeckung. Aber die Stadt selbst hat
auch viele eigene Gebäude, bei denen etwas getan werden muss. Und
hier muss der energetische Aspekt im Vordergrund stehen.
Energieeinsparung ist ein wichtiges Schlagwort. Hier müssen meines
Erachtens die Mittel hineinfließen, deswegen habe ich mich zusammen
mit der SPD-Stadtratsfraktion auch bei der Sanierung der Hauptschule
neben dem wichtigen Brandschutz dafür eingesetzt.
Die
Ansätze in Altdorf, dem Beispiel unserer Nachbargemeinden zu folgen
und auch hier Bürgersolaranlagen zu schaffen, sind richtig. Leider
blieb es bei den Anfängen mangels Bürgerinnen und Bürgern, die sich
hierfür eingesetzt hätten. Wenn es aber in Altdorf auf städtischen
Dächern schon keine Bürgersolaranlage gibt, dann muss man privaten
Investoren ohne Wenn und Aber die Möglichkeit einräumen, auf unseren
Dächern Photovoltaikanlagen zu errichten. Mit dem Bauhof ist ein
erster Schritt getan, wenn es auch im Stadtrat schwer war, die
kleinlichen Bedenken von der Frage des Dachziegelaustauschs bis zur Höhe
der jährlichen Miete auszuräumen. Die SPD-Stadtratsfraktion hat nach
dem Nein im Ausschuss dieses Thema nochmals in den Stadtrat gebracht
und schließlich fand sich eine Mehrheit für dieses Vorhaben. Und das
ist gut so.
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Stadtmarketing

Stadtmarketing
– ein Handbuch für die Schublade?
Fast
ein Jahr lang haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger in
Lenkungsgruppen, Arbeitskreisen und zwei Bürgerforen mit dem
Stadtmarketing Altdorf beschäftigt. Unterschiedliche
Interessensgruppen haben hierbei unter der Moderation und Anleitung
der CIMA-Stadtmarketing GmbH eine Fülle von Vorschlägen erarbeitet,
die alle im Maßnahmen-Handbuch niedergeschrieben sind und den Stadträten
seit Sommer 2003 vorliegen. Man hat allerdings nicht den Eindruck,
dass man sich seitens Politik und Verwaltung mit diesem Werk weiter
intensiv beschäftigen will.
Ich
meine, es wäre dringend geboten, sich dieses Handbuch mit seiner Fülle
von Vorschlägen erneut vorzunehmen und zumindest den Versuch zu
machen, das eine oder andere auch zeitnah umzusetzen. Es geht in
diesem Handbuch nämlich um mehr als nur um eine kostenintensive
Marktplatzumgestaltung. Das ist zwar ein wichtiges Thema – aber
nicht das einzige.
Wir
schulden meiner Meinung nach auch diese politische Beschäftigung mit
dem Maßnahmen-Handbuch. Zum einen hat der Stadtmarketing-Prozess
nicht unerheblich städtische Mittel verschlungen. Zum anderen haben
auch so viele Altdorfer an diesem Werk mitgearbeitet, dass es allein
schon die Höflichkeit gebietet, diese Arbeit zu honorieren, in dem
man es im Stadtrat weiter diskutiert.
Ich
persönlich finde im Handbuch eine Fülle von Vorschlägen, die auch
meine Positionen für die Innenstadtentwicklung sind. Ich möchte
deshalb alle interessierten Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag,
13.07.2006 einladen, mit mir gemeinsam dieses Handbuch zu diskutieren.
Uhrzeit und Veranstaltungsort entnehmen Sie bitte der Tagespresse.
Ernst
Bergmann, Bürgermeisterkandidat der SPD Altdorf
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25 Jahre Graffiti

Am
04.Juni 1981 eröffneten Eva und Bernhard Heinlein das Graffiti in
Altdorf. Das 25-jährige Jubiläum wurde am Pfingstsonntag groß
gefeiert. Die Heinleins haben vor 25 Jahren nicht nur die ehemalige
Gaststätte „Zur Rosenau“ wiedereröffnet, sondern auch das 1961
geschlossene Kino zu neuem Leben erweckt. 1982 wurde dann auch der
Biergarten wieder eröffnet.
Für
viele ist das Graffiti zum „zweiten Wohnzimmer“ geworden, heute
besucht bereits die nächste Generation derer, die an der Eröffnung
dabei waren, das „Gräff“. Das Programmkino setzt auf eine
abwechslungsreiche Auswahl und nicht nur auf die aktuellen Filme der
Top Ten der Kinohitparade. Bereits 13 Mal wurde daher zu Recht das
Kinoprogramm von der Bayerischen Staatsregierung als qualitativ
herausragend ausgezeichnet. Und der lauschige Biergarten ist
zwischenzeitlich der letzte seiner Art im Altdorfer Stadtgebiet.
Biergarten, Kneipe und Kino haben bisher auch allen getrotzt, die
versucht haben, auf dem Gelände etwas anderes zu errichten.
Eva
und Bernhard Heinlein, die 1981 aus Schwabach nach Altdorf kamen, sind
auch zwischenzeitlich fester Bestandteil des Altdorfer Lebens. Eva ist
seit zwei Jahrzehnten Stadträtin und sitzt seit 2002 auch für die
SPD im Kreisrat. Bernhard hat seit vielen Jahren das Amt des
SPD-Ortsvereinsvorsitzenden inne. Das Graffiti hat auch immer Platz für
unterschiedlichste Veranstaltungen geboten – vom Kinderfest über
Live-Musik bis zu Theateraufführungen im Kinosaal. Wenn jemand
Kinogutscheine als Preis für eine Veranstaltung braucht, lassen sich
Eva und Bernhard nicht zweimal bitten.
Die
LUPE gratuliert von Herzen „ihrem“ Graffiti zum 25-jährigen
Bestehen, wünscht Eva und Bernhard noch eine lange Regentschaft im
Graffiti und bedankt sich ganz herzlich auch für die jahrzehntelange
Unterstützung der LUPE mit einer ganzseitigen Anzeige.
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Dr. Hermann Scheer im Sportpark

Energiepolitik und was dahinter
steckt
Niemand
aus den Reihen der Besucherinnen und Besucher würde bestreiten, dass
der Vortrag von Dr. Hermann Scheer ein hochkarätiges Ereignis war,
wenn nicht das wichtigste in Altdorf in diesem Jahrzehnt. „Die
fossilen und atomaren Vorkommen reichen noch 40 bis 45 Jahre.“,
„Ohne Energie ist eine gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr möglich.“,
„Mit offizieller Ankündigung rüstet China seine Armee auf, um sich
den Zugang zur Energieversorgung zu sichern.“, „Mehr als 10.000
Liter Trinkwasser pro Kopf der Weltbevölkerung wird zur
Bereitstellung von Energie aus fossilen und atomaren Quellen benötigt.“.
Dies waren nur einige der schlagkräftigen Aussagen, die die Zuhörer
in ihren Bann zogen und ungläubiges Kopfschütteln hervor riefen. Ein
Horrorszenario, das gerade mal zwei Generationen in der Zukunft liegt
und schon jetzt seine Schatten durch die ständig steigenden Energie-
und Benzinpreise auf uns alle wirft. Allein die Macht der heutigen
Energieversorgungsunternehmen durch die fast-staatliche Struktur der
Stromwirtschaft und der rein an ihren Aktienkursen orientierten Erdöl-
und Ergasfirmen seien Ursache dafür, dass die Nutzung von
regenerativen Energiequellen nur zu langsam fortschreiten kann. Dass
die Erdölfirmen Programme aufgelegt haben zur Erforschung und Nutzung
umweltfreundlicher Energieformen, sei eine reine Alibifunktion, wenn
man bedenke, dass diese Programme weniger als 0,2 % von deren Umsatz
ausmachten.
Aber
es gibt Möglichkeiten, das Ruder auf dem Weg ins Chaos noch
herumzuwerfen, so Scheers Fazit. Nur müsse es schnell geschehen,
indem es gelingen muss, neue Energieversorgungsstrukturen entstehen zu
lassen, die unabhängig von den heutigen Versorgungsunternehmen sind.
Ein erster Schritt sei die Einführung des Energieeinspeisungsgesetzes
(EEG) der rot-grünen Koalition gewesen, das jedem ermöglicht, Strom
zu erzeugen und zu verkaufen und das damit gleichzeitig noch die ländlichen
und meist strukturschwachen Regionen stärkt. Jedoch müssten viele
weitere Schritte auf internationaler Ebene folgen.
Durch
seinen überparteilichen Vortrag ließ Dr. Hermann Scheer, selbst
Mitglied der Bundestagsfraktion der SPD seit 1980, keinen Zweifel
daran, dass er sein Mandat dafür einsetzt und einsetzen wird, die
Energiewende zu schaffen (siehe auch den Fortsetzungsbeitrag in dieser
LUPE-Ausgabe „Energieautonomie“ von Scheer).
Bürgermeisterkandidat
Ernst Bergmann dankte für den mitreißenden Vortrag und sah viele Möglichkeiten
für eine Stadt wie Altdorf einen Beitrag auf diesem Weg zu leisten.
Als zum Thema passendes Präsent überreichte er unter anderem eine
mit Dynamo betriebene Taschenlampe.
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Ganztagsschule in Deining
Von der Oberpfalz lernen
Sozial- und Bildungspolitik
stehen immer stärker im Spannungsfeld knapper finanzieller Mittel und
der Notwendigkeit, allen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft
durch Bildung und Integration zu ermöglichen.
An der Setzung entsprechender Schwerpunkte dürfte dabei kaum
ein Entscheidungsträger in den Gemeinden mehr vorbei kommen. Für
Altdorf gilt dabei das gleiche wie für jede andere Kommune: wer als Bürgermeister
oder Stadtrat eine zukunftsorientierte Sozialpolitik betreiben will,
muss sich intensiv um die Bildungspolitik kümmern.
Ganz besonders gilt das für die Förderung der Bildung vom
Kleinkindalter an, also etwa bei der Unterstützung der Kindertagesstätten,
aber ebenso für einen Bereich, wo Kommunen auch noch einigen Einfluss
haben, bei den Grund- und Hauptschulen.
Zumindest bei den Kindergärten
verfügt Altdorf über vergleichsweise günstige Ausgangsbedingungen.
Evangelische und katholische
Kirche, Freie Kindergruppe und Montessori-Verein bieten ein breites
Angebot mit unterschiedlicher konzeptioneller Ausrichtung. Natürlich
kann und muss sich inhaltlich und auch bei den räumlichen
Rahmenbedingungen noch einiges entwickeln. Die Stadt wird sich dabei
nicht auf die Rolle des wohlwollenden Zuschauers beschränken dürfen
und im Zweifelsfall ihre spärlichen Mittel hier bevorzugt einsetzen müssen.
Bei den Schulen lohnt ein Blick
über den Tellerrand in die benachbarte Oberpfalz, auch wenn
bekanntlich das Wohl der Stadt für manchen Stadtrat an den eigenen
Grenzen endet. In Deining hat sich ein Modell entwickelt, das immerhin
schon auf Bundesebene ausgezeichnet wurde.
Die dortige Grund- und Hauptschule geht mit ihrer „freien
Ganztagsschule“ weit über das hinaus, was wir als übliche
„Nachmittagsbetreuung“ kennen. Eigentlich sind solche Schulformen
nicht gerade das Lieblingskind der Staatsregierung, deshalb erscheint
es erstaunlich, welchen Spielraum sich die unbeugsamen Deininger erkämpft
haben. Von „finster bis finster“ bieten sie Ganztagsschule von 8
bis 17 Uhr als freiwilliges und attraktives Angebot – trotz eines
sehr begrenzten Etats. 110
Schüler, rund ein Drittel, nutzen diese Möglichkeit. Eigentlich
reicht dafür das Geld hinten und vorne nicht, aber mit viel Kreativität,
dem Einsatz von pädagogischen Fachkräften auf 400-Euro-Basis und
einem optimierten Verwaltungseinsatz scheint in Deining etwas zu
gelingen, was man sich sonst in Bayern kaum vorzustellen wagt.
360 Schüler, 27 Lehrer, 3
Sozialpädagogen, 2 Erzieherinnen, 4 Betreuer, 2 Handwerker und eine
Sekretärin bilden diese ungewöhnliche Schulgemeinschaft. Viele
Projektpartner u. a. ein Computerhaus, das das Bestell- und
Abrechnungssystem für das Mittagessen entwickelt hat, unterstützen
die Schule. So gelingt auch mit reichlich „Selbstausbeutung“ täglich
nach dem Essen ein Angebotsmix aus Nachmittagsunterricht,
Arbeitsgemeinschaften, wechselnden Projekten und Nachhilfeangeboten.
Der Anteil der Kommune? Finanzierungslücken stopfen, die der
Freistaat offen lässt.
Wer sich genauer informieren möchte:
ein Blick ins Internet unter www.vs-deining.de lohnt.
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Tempo
30 am Marktplatz
Lange
hat es gedauert bis der Beschluss des Stadtrates zur
Geschwindigkeitsbeschränkung am Marktplatz umgesetzt werden konnte.
Die SPD-Stadtratsfraktion hatte am 30.03.2003 einen Überprüfungsantrag
im Stadtrat gestellt, weil der Verkehrsausschuss Tempo 30 zunächst
mit 4:5 Stimmen abgelehnt hatte. Im Stadtrat fand sich dann doch eine
Mehrheit von 13 Befürwortern gegen neun Stimmen der CSU und der von
Stadtrat Schneider (FWG).
Die LUPE hofft, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung ein kleiner
Beitrag zur Verkehrsberuhigung am Marktplatz ist und zu mehr
Sicherheit für die „schwachen“ Verkehrsteilnehmer beiträgt.
Vielleicht auch ein erster Schritt zu einem Marktplatz, der auch die
Belange derer berücksichtigt, die nicht mit dem Auto unterwegs sind.
Der nächste mutige Schritt wäre eine entsprechende Zone-30-Regelung
im Altstadtbereich.
Offenbar kommt die Regelung bei der Bevölkerung auch gut an, denn kaum
waren die Schilder montiert, haben sich die Anwohner des Mühlwegs dafür
ausgesprochen, die Regelung auf diesen Bereich zu erweitern. Der
Verkehrsausschuss folgte mehrheitlich diesem Wunsch, so dass nun auch
im Mühlweg und im Feuerweg bis zum Beginn des verkehrsberuhigten
Bereichs gilt: Tempo 30.
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Literatur
zur Wallensteinzeit
Die
Altdorfer Wallensteinzeit ist eine gute Gelegenheit, sich mit einigen
Titeln/Autoren aus der deutschen Literatur zum 30-jährigen Krieg zu
beschäftigen und sich auch ein paar Gedanken darüber zu machen, was
(jeder) Krieg für das einfache Volk bedeutet, und welche Folgen heute
noch spürbar sind.
Von
den bekannteren Autoren muss natürlich (chronologisch) zuerst Hans
Jakob Christoffel von Grimmelshausens "Der Abenteuerliche
Simplicissimus, Teutsch", erwähnt werden, zwischen 1668 und 1669
geschrieben von „Einem, der dabei war“. Dann ca. 120 Jahre später
Friedrich Schillers Dreiteiler "Wallenstein", 1796 bis 1799
verfasst. Alfred Döblin schrieb zwischen 1916 und 1919, mitten im
Ersten Weltkrieg, während seiner Militärarzttätigkeit im Elsass,
seinen Wallenstein-Roman unter dem Eindruck der Frontkämpfe bei
Verdun. Bertolt Brechts 1938/39, kurz vor Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges, geschaffenes Drama "Mutter Courage und ihre
Kinder", ist wie in eine Zeitreise auf dem Marketenderinnenwagen.
1971
erschien dann "Wallenstein, Sein Leben erzählt von Golo
Mann", Manns Hauptwerk. Wie viele Historiker sieht er den 1583 in
Prag geborenen und 1634 in Eger ermordeten Albrecht Wenzelslaus
Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, als einzigen
weitblickenden Staatsmann des Deutschen Reiches, als verfrühten
Europapolitiker, der im Vergleich zu den „anderen großen Hyänen“
seiner Zeit „doch der Ehrlichste war [...] und auf seine alten Tage
der Bessere".
Von
der vorgenannten Literatur beschreiben nur der „Simplicissimus“
und die „Mutter Courage“ den 30-jährigen Krieg aus der Sicht des
gemeinen Volkes, während sich Schiller, Döblin und Mann vorrangig
mit den „großen“ Persönlichkeiten und den politischen Zeitläufen
beschäftigen. Hier nun ein Zitat aus Golo Manns Wallenstein, in dem
drastisch beschrieben wird, wie es zuging, z. B.
Oktober 1633, Ort: Goldberg, Schlesien:
„Obwohl
nun“, berichtet ein Patriot, „niemandem unter den armen, geängstigten
Leuten einfiel, sich zur Wehr zu setzen, um die Teufel nicht noch mehr
zu erbittern und sie außer ihrem Bitten, Flehen, Weinen ... keine
Rettung versuchten ... sie haben mit ihren ganz besonders zur Plünderung
zubereiteten Äxten, Hämmern und Prügeln in vollen Streichen, nicht
anders als wenn die Fleischhauer Ochsen töten, die Bürger vor die Köpfe
und zu Boden geschlagen ... Nun fingen die Offiziere die Plünderungen
an, denn die Offizier waren die schlimmsten, gottlosesten und
verworfensten Bösewichter. Die Offiziere koppelten die Ratsherren
aneinander und zwangen sie, ihnen unterdessen die Pferde zu halten während
sie in ihre und ihrer Freunde Häuser drangen, Weiber und Mädchen schändeten,
Kinder und Männer misshandelten ... Da nun öffentlich auf diese
Weise geplündert worden war ... so wollte man auch das etwa tief
Verborgene oder Vergrabene haben, und die Soldaten hatten Erlaubnis
die Bürger anzugreifen und zu martern nach ihrer Lust, damit sie
bekennen sollten, wo irgend etwas an Gütern und Geld verborgen
steckte... schraubten die Köpfe mit knotigen Stricken so zusammen,
dass ihnen die Augen aus dem Kopf heraustraten und das Blut zum Munde
und zur Nase herausströmte. Andern schlug man brennende Kiensplitter
unter die Nägel...“
Von
Wallenstein ist bekannt, dass er die Räuber unter seinen
Gefolgsleuten keineswegs liebte: „Er war gegen das Ausplündern und
Martern der Bauern, das Bestehlen der Bürger; nicht aus Mitleid,
sondern aus praktischen Gründen. Von der Erde, von der man in
diesem Jahr lebte, musste man auch im nächsten leben.“
Die
Ergebnisse dieses fürchterlichen Krieges und der unerträglichen
Menschenopfer: Religion hatte als Vorwand für Krieg und Mord zwischen
Katholiken und Protestanten weitgehend ausgedient. Eine deutliche
politische Trennung von Österreich war erfolgt. Durch das Zerbrechen
der Habsburger Vorherrschaft in Deutschland war aber auch jegliche
Zentralgewalt beseitigt, mit der Folge politischer Ohnmacht, die in
eine unheilvolle Kleinstaaterei ausarten sollte, und die heute noch
ihre aktuelle Fortsetzung in den Ergebnissen der Föderalismusreform
findet.
W.
Birn
Wallenstein,
sein Leben erzählt von Golo Mann, Fischer (TB)
Über
den Autor
Golo
Mann, 1909-1994, wurde in München geboren. Er erhielt zahlreiche
Literaturpreise, so auch 1985 den Goethepreis.
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SPD Altdorf
Ortsverein
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Altdorf
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