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Ausgabe Juni 2006

Inhalt

 

Bürgermeisterkandidat Ernst Bergmann

  

In der letzten Ausgabe der LUPE habe ich mich Ihnen persönlich vorgestellt, in dieser und der nächsten Ausgabe möchte ich Ihnen meine politischen Positionen nahe bringen, die ich in meiner bisherigen zehn-jährigen Stadtratstätigkeit vertreten habe. Ich kann und will mich für die anstehende Bürgermeisterwahl nicht neu erfinden. Für das, wofür ich jetzt stehe, bin ich auch bisher im Stadtrat eingetreten. Beginnen möchte ich mit dem Bereich, der mich auch beruflich am stärksten berührt: Stadtentwicklung, Bauen, Verkehr und Umwelt.

Altdorf ist eine Stadt, die wächst, eine „Zuzugsstadt“. Sie ist als Wohnstandort attraktiv, sie kann  den Menschen etwas bieten. Erfreulicherweise sind es gerade junge Familien mit Kindern, die nach Altdorf kommen. Die Kommunalpolitik ist daher gefordert, aktive Stadtentwicklung zu betreiben, um dem Bedarf an Siedlungsflächen gerecht zu werden.

Schwerpunkt jeder weiteren Wohngebietsentwicklung muss die Kernstadt Altdorf sein, dort sind die Infrastruktureinrichtungen vorhanden, der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr, die Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Bevor man aber die große Stadterweiterung nach Norden angeht, muss man zunächst vorhandene Potenziale nutzen und kleinere Flächen zur Bebauung freigeben. Es bietet sich auf Sicht gesehen an, zwischen Rascher und Neumarkter Straße oder nördlich des Fürstenschlags die Lücken zu füllen. Hier muss man zeitig an die Aufstellung von Bebauungsplänen denken, um den Bedarf decken zu können, sobald er entsteht.

In den Außenorten wurden in den letzten Jahren, da wo es möglich und sinnvoll ist, eine ganze Reihe von Neubaugebieten erschlossen. Derzeit sehe ich wenig Bedarf, die großflächigen Ausweisungen im Flächennutzungsplan beispielsweise in Hagenhausen oder Eismannsberg in die Tat umzusetzen. Auch in unseren Außenorten muss es in Zukunft weitere Siedlungsentwicklung geben. Diese hat aber in erster Linie die Aufgabe, den örtlichen Bedarf zu decken, der z. B. dadurch entsteht, dass die nächste Generation bauen will. Ob es dazu große Bebauungspläne und Erschließungsmaßnahmen wirklich braucht, wage ich zu bezweifeln.

Man muss in der Kernstadt wie in den Außenorten sehr sorgfältig darauf achten, dass die Siedlungstätigkeit nicht unkontrolliert in die Landschaft wächst, dass Ortsränder klar definiert sind und dass man auch erkennt, wo man aufhören muss. Das Bauen im Außenbereich muss sehr kritisch verfolgt und beschränkt werden. Sonst haben wir die berühmte „zersiedelte Landschaft“ und das kann weder städtebaulich noch umweltpolitisch gewünscht sein.

Die Schaffung neuer Siedlungsfläche muss sich immer am Bedarf und an den städtebaulichen und landschaftlichen Gegebenheiten orientieren, nicht an den Grundstücksrealitäten oder am vorhandenen Kanal – doch gerade nach diesen Gesichtspunkten wurde schon so oft Stadtentwicklung in Altdorf gemacht.

Neubaugebiete - ob nun in der Stadt oder in ihren Außenorten - sollten dabei nach zeitgemäßen Grundlagen entstehen. Nicht immer ist das fränkische Satteldach das allein selig machende. Die Ausrichtung der Gebäude sollte sich daran orientieren, wie man optimal aus Sonne Energie gewinnen kann. Wenn jemand ein Pultdach oder ein begrüntes Flachdach will, soll man dies auch zugestehen, wenn es die örtliche Situation erlaubt. Gerade im Neubaugebiet an der Winterschule wäre die Chance vorhanden gewesen, einmal etwas Neues, Modellhaftes zu machen. Die Chance wurde vom Stadtrat nicht genutzt.

Die Stadt könnte durchaus Anreize schaffen, z.B. mit einer unterschiedlichen Abwassergebührensatzung, wie es andere Städte vormachen, dass Bauherren versickerungsfähigen Belägen den Vorzug geben oder daran interessiert sind, ihr Regenwasser zu sammeln und wieder zu verwenden. Meine Vorstöße in diese Richtung wurden bisher leider stets mit Hinweis auf den enormen Arbeitsaufwand zurückgewiesen.

Die Straßen in Wohngebieten sind für mich mehr als nur die befestigten Bänder des motorisierten Verkehrs. Sie sind Außenraum, Kommunikationsraum, Spielraum. Viel zu schade, nur für das Auto. Verkehrsberuhigte Bereiche müssen in Wohnstraßen zum Standard werden. Ein aufmerksamer Blick in den Feuerweg zeigt, was Straßen alles sein können. Hier muss man denen, die nur möglichst schnell durchfahren wollen, einen deutlichen Riegel vorschieben.

In der Verkehrspolitik stand für mich schon immer weniger die „Leichtigkeit des Verkehrs“ als das Sicherheitsbedürfnis von Anwohnern, von Eltern, von Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Behinderten, Seniorinnen und Senioren im Vordergrund. Daher auch das stete Bestreben der SPD-Stadtratsfraktion für mehr Fußgängerüberwege am Marktplatz. Die 30-km-Zone am Marktplatz finde ich gut, die 30-km-Zone in den Außenorten auch. Zugegeben, die Kontrolle fehlt. Diese liegt seit der mehrheitlichen Abschaffung der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung nicht mehr in unserer Hand. Jetzt kommen plötzlich viele Klagen über zu schnelles Fahren und über unangepasste Geschwindigkeit. So schlecht war meines Erachtens die kommunale Geschwindigkeitsüberwachung grundsätzlich nicht, man hätte sie sicher im Sinne der Sicherheitsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger optimieren können. Der Stadtrat hat sie aber schlicht und ergreifend ohne große Diskussion mehrheitlich abgeschafft.

Funktionierende Verkehrsberuhigung ruht auf zwei Säulen: verkehrsrechtliche Maßnahmen und bauliche Maßnahmen. Die rechtlichen Maßnahmen sind mit Aufstellen von Schildern meist erledigt. Die baulichen Maßnahmen müssen folgen – so wie es der Haushalt der Stadt Altdorf leisten kann. Und da wo die Straße dem Kreis oder dem Freistaat gehört, muss man immer wieder auch bei den zuständigen Stellen bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung einfordern, auch wenn die sich noch so zieren.

Ein zentraler Punkt meiner kommunalpolitischen Tätigkeit war und ist immer der Umwelt- und Naturschutz. Mit der aufkommenden Umweltschutzbewegung Mitte der Siebziger Jahre bin ich aufgewachsen, meine ersten „politischen“ Aktivitäten waren als Jugendlicher im Bund Naturschutz. Schließlich ist der Natur- und Umweltschutz auch Teil meines Berufs als Landschaftsarchitekt geworden. Wir müssen uns auf allen Ebenen für eine intakte Natur, für eine Schonung unserer Landschaft und für einen verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Ressourcen einsetzen.

In der Siedlungsentwicklung und auch in der Verkehrspolitik muss man sich immer fragen: Wo geht etwas soweit auf Kosten von Natur und Landschaft, dass man es nicht mehr verantworten kann? Man redet derzeit auf allen politischen Ebenen so gerne vom „ökologischen Ausgleich“ und gibt sich damit einen Freibrief, alles sei möglich, weil man ja an anderer Stelle dafür Ausgleich oder Ersatz schaffen könne. Manches ist aber nicht ausgleichbar, nicht ersetzbar. Und wenn man schon durch Baumaßnahmen in natürliche Strukturen eingreift und diese damit vernichtet, dann sollten sie im unmittelbaren Umfeld des Eingriffs auch wieder ausgeglichen werden. Deswegen haben wir auch völlig zu Recht im Gewerbegebiet Unterwellitzleithen den ökologischen Ausgleich vor Ort und nicht in Eismannsberg oder im Pfaffental geschaffen.

Ohne Frage stehen wir auch in der Energiepolitik vor großen Herausforderungen. Das betrifft zwar in erster Linie die Bundespolitik – die ist hier gefordert. Die Förderung von regenerativen Energieformen muss politisch in den Vordergrund rücken. Der Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, Energieerzeugung aus Wind, Wasser, Sonne muss das Augenmerk gelten. Kohle und Atom haben langfristig ausgedient.

Aber gerade auch die Kommunen sind gefordert. Solarthermie und Photovoltaik – also die Erzeugung von Wärme und Strom aus Sonnenenergie - gehören inzwischen fast schon zum Standardprogramm von Neubauten. Die Stadt muss hierbei den Weg ebnen und die planerischen Voraussetzungen schaffen. Die Ausrichtung von Dächern nach der Sonne ist mir wichtiger als die Farbe der Dacheindeckung. Aber die Stadt selbst hat auch viele eigene Gebäude, bei denen etwas getan werden muss. Und hier muss der energetische Aspekt im Vordergrund stehen. Energieeinsparung ist ein wichtiges Schlagwort. Hier müssen meines Erachtens die Mittel hineinfließen, deswegen habe ich mich zusammen mit der SPD-Stadtratsfraktion auch bei der Sanierung der Hauptschule neben dem wichtigen Brandschutz dafür eingesetzt.

Die Ansätze in Altdorf, dem Beispiel unserer Nachbargemeinden zu folgen und auch hier Bürgersolaranlagen zu schaffen, sind richtig. Leider blieb es bei den Anfängen mangels Bürgerinnen und Bürgern, die sich hierfür eingesetzt hätten. Wenn es aber in Altdorf auf städtischen Dächern schon keine Bürgersolaranlage gibt, dann muss man privaten Investoren ohne Wenn und Aber die Möglichkeit einräumen, auf unseren Dächern Photovoltaikanlagen zu errichten. Mit dem Bauhof ist ein erster Schritt getan, wenn es auch im Stadtrat schwer war, die kleinlichen Bedenken von der Frage des Dachziegelaustauschs bis zur Höhe der jährlichen Miete auszuräumen. Die SPD-Stadtratsfraktion hat nach dem Nein im Ausschuss dieses Thema nochmals in den Stadtrat gebracht und schließlich fand sich eine Mehrheit für dieses Vorhaben. Und das ist gut so.

 

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Stadtmarketing

Stadtmarketing – ein Handbuch für die Schublade?

Fast ein Jahr lang haben sich engagierte Bürgerinnen und Bürger in Lenkungsgruppen, Arbeitskreisen und zwei Bürgerforen mit dem Stadtmarketing Altdorf beschäftigt. Unterschiedliche Interessensgruppen haben hierbei unter der Moderation und Anleitung der CIMA-Stadtmarketing GmbH eine Fülle von Vorschlägen erarbeitet, die alle im Maßnahmen-Handbuch niedergeschrieben sind und den Stadträten seit Sommer 2003 vorliegen. Man hat allerdings nicht den Eindruck, dass man sich seitens Politik und Verwaltung mit diesem Werk weiter intensiv beschäftigen will.

Ich meine, es wäre dringend geboten, sich dieses Handbuch mit seiner Fülle von Vorschlägen erneut vorzunehmen und zumindest den Versuch zu machen, das eine oder andere auch zeitnah umzusetzen. Es geht in diesem Handbuch nämlich um mehr als nur um eine kostenintensive Marktplatzumgestaltung. Das ist zwar ein wichtiges Thema – aber nicht das einzige.

Wir schulden meiner Meinung nach auch diese politische Beschäftigung mit dem Maßnahmen-Handbuch. Zum einen hat der Stadtmarketing-Prozess nicht unerheblich städtische Mittel verschlungen. Zum anderen haben auch so viele Altdorfer an diesem Werk mitgearbeitet, dass es allein schon die Höflichkeit gebietet, diese Arbeit zu honorieren, in dem man es im Stadtrat weiter diskutiert.

Ich persönlich finde im Handbuch eine Fülle von Vorschlägen, die auch meine Positionen für die Innenstadtentwicklung sind. Ich möchte deshalb alle interessierten Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag, 13.07.2006 einladen, mit mir gemeinsam dieses Handbuch zu diskutieren. Uhrzeit und Veranstaltungsort entnehmen Sie bitte der Tagespresse.

Ernst Bergmann, Bürgermeisterkandidat der SPD Altdorf

 

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25 Jahre Graffiti

Am 04.Juni 1981 eröffneten Eva und Bernhard Heinlein das Graffiti in Altdorf. Das 25-jährige Jubiläum wurde am Pfingstsonntag groß gefeiert. Die Heinleins haben vor 25 Jahren nicht nur die ehemalige Gaststätte „Zur Rosenau“ wiedereröffnet, sondern auch das 1961 geschlossene Kino zu neuem Leben erweckt. 1982 wurde dann auch der Biergarten wieder eröffnet.

Für viele ist das Graffiti zum „zweiten Wohnzimmer“ geworden, heute besucht bereits die nächste Generation derer, die an der Eröffnung dabei waren, das „Gräff“. Das Programmkino setzt auf eine abwechslungsreiche Auswahl und nicht nur auf die aktuellen Filme der Top Ten der Kinohitparade. Bereits 13 Mal wurde daher zu Recht das Kinoprogramm von der Bayerischen Staatsregierung als qualitativ herausragend ausgezeichnet. Und der lauschige Biergarten ist zwischenzeitlich der letzte seiner Art im Altdorfer Stadtgebiet. Biergarten, Kneipe und Kino haben bisher auch allen getrotzt, die versucht haben, auf dem Gelände etwas anderes zu errichten.

Eva und Bernhard Heinlein, die 1981 aus Schwabach nach Altdorf kamen, sind auch zwischenzeitlich fester Bestandteil des Altdorfer Lebens. Eva ist seit zwei Jahrzehnten Stadträtin und sitzt seit 2002 auch für die SPD im Kreisrat. Bernhard hat seit vielen Jahren das Amt des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden inne. Das Graffiti hat auch immer Platz für unterschiedlichste Veranstaltungen geboten – vom Kinderfest über Live-Musik bis zu Theateraufführungen im Kinosaal. Wenn jemand Kinogutscheine als Preis für eine Veranstaltung braucht, lassen sich Eva und Bernhard nicht zweimal bitten.

Die LUPE gratuliert von Herzen „ihrem“ Graffiti zum 25-jährigen Bestehen, wünscht Eva und Bernhard noch eine lange Regentschaft im Graffiti und bedankt sich ganz herzlich auch für die jahrzehntelange Unterstützung der LUPE mit einer ganzseitigen Anzeige.

 

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Dr. Hermann Scheer im Sportpark

Energiepolitik und was dahinter steckt

Niemand aus den Reihen der Besucherinnen und Besucher würde bestreiten, dass der Vortrag von Dr. Hermann Scheer ein hochkarätiges Ereignis war, wenn nicht das wichtigste in Altdorf in diesem Jahrzehnt. „Die fossilen und atomaren Vorkommen reichen noch 40 bis 45 Jahre.“, „Ohne Energie ist eine gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr möglich.“, „Mit offizieller Ankündigung rüstet China seine Armee auf, um sich den Zugang zur Energieversorgung zu sichern.“, „Mehr als 10.000 Liter Trinkwasser pro Kopf der Weltbevölkerung wird zur Bereitstellung von Energie aus fossilen und atomaren Quellen benötigt.“. Dies waren nur einige der schlagkräftigen Aussagen, die die Zuhörer in ihren Bann zogen und ungläubiges Kopfschütteln hervor riefen. Ein Horrorszenario, das gerade mal zwei Generationen in der Zukunft liegt und schon jetzt seine Schatten durch die ständig steigenden Energie- und Benzinpreise auf uns alle wirft. Allein die Macht der heutigen Energieversorgungsunternehmen durch die fast-staatliche Struktur der Stromwirtschaft und der rein an ihren Aktienkursen orientierten Erdöl- und Ergasfirmen seien Ursache dafür, dass die Nutzung von regenerativen Energiequellen nur zu langsam fortschreiten kann. Dass die Erdölfirmen Programme aufgelegt haben zur Erforschung und Nutzung umweltfreundlicher Energieformen, sei eine reine Alibifunktion, wenn man bedenke, dass diese Programme weniger als 0,2 % von deren Umsatz ausmachten.

Aber es gibt Möglichkeiten, das Ruder auf dem Weg ins Chaos noch herumzuwerfen, so Scheers Fazit. Nur müsse es schnell geschehen, indem es gelingen muss, neue Energieversorgungsstrukturen entstehen zu lassen, die unabhängig von den heutigen Versorgungsunternehmen sind. Ein erster Schritt sei die Einführung des Energieeinspeisungsgesetzes (EEG) der rot-grünen Koalition gewesen, das jedem ermöglicht, Strom zu erzeugen und zu verkaufen und das damit gleichzeitig noch die ländlichen und meist strukturschwachen Regionen stärkt. Jedoch müssten viele weitere Schritte auf internationaler Ebene folgen.

Durch seinen überparteilichen Vortrag ließ Dr. Hermann Scheer, selbst Mitglied der Bundestagsfraktion der SPD seit 1980, keinen Zweifel daran, dass er sein Mandat dafür einsetzt und einsetzen wird, die Energiewende zu schaffen (siehe auch den Fortsetzungsbeitrag in dieser LUPE-Ausgabe „Energieautonomie“ von Scheer).

Bürgermeisterkandidat Ernst Bergmann dankte für den mitreißenden Vortrag und sah viele Möglichkeiten für eine Stadt wie Altdorf einen Beitrag auf diesem Weg zu leisten. Als zum Thema passendes Präsent überreichte er unter anderem eine mit Dynamo betriebene Taschenlampe.

 

 

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Ganztagsschule in Deining
Von der Oberpfalz lernen

Sozial- und Bildungspolitik stehen immer stärker im Spannungsfeld knapper finanzieller Mittel und der Notwendigkeit, allen Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft durch Bildung und Integration zu ermöglichen.  An der Setzung entsprechender Schwerpunkte dürfte dabei kaum ein Entscheidungsträger in den Gemeinden mehr vorbei kommen. Für Altdorf gilt dabei das gleiche wie für jede andere Kommune: wer als Bürgermeister oder Stadtrat eine zukunftsorientierte Sozialpolitik betreiben will, muss sich intensiv um die Bildungspolitik kümmern.  Ganz besonders gilt das für die Förderung der Bildung vom Kleinkindalter an, also etwa bei der Unterstützung der Kindertagesstätten, aber ebenso für einen Bereich, wo Kommunen auch noch einigen Einfluss haben, bei den Grund- und Hauptschulen. 

Zumindest bei den Kindergärten verfügt Altdorf über vergleichsweise günstige Ausgangsbedingungen.

Evangelische und katholische Kirche, Freie Kindergruppe und Montessori-Verein bieten ein breites Angebot mit unterschiedlicher konzeptioneller Ausrichtung. Natürlich kann und muss sich inhaltlich und auch bei den räumlichen Rahmenbedingungen noch einiges entwickeln. Die Stadt wird sich dabei nicht auf die Rolle des wohlwollenden Zuschauers beschränken dürfen und im Zweifelsfall ihre spärlichen Mittel hier bevorzugt einsetzen müssen.

Bei den Schulen lohnt ein Blick über den Tellerrand in die benachbarte Oberpfalz, auch wenn bekanntlich das Wohl der Stadt für manchen Stadtrat an den eigenen Grenzen endet. In Deining hat sich ein Modell entwickelt, das immerhin schon auf Bundesebene ausgezeichnet wurde.  Die dortige Grund- und Hauptschule geht mit ihrer „freien Ganztagsschule“ weit über das hinaus, was wir als übliche „Nachmittagsbetreuung“ kennen. Eigentlich sind solche Schulformen nicht gerade das Lieblingskind der Staatsregierung, deshalb erscheint es erstaunlich, welchen Spielraum sich die unbeugsamen Deininger erkämpft haben. Von „finster bis finster“ bieten sie Ganztagsschule von 8 bis 17 Uhr als freiwilliges und attraktives Angebot – trotz eines sehr begrenzten Etats.  110 Schüler, rund ein Drittel, nutzen diese Möglichkeit. Eigentlich reicht dafür das Geld hinten und vorne nicht, aber mit viel Kreativität, dem Einsatz von pädagogischen Fachkräften auf 400-Euro-Basis und einem optimierten Verwaltungseinsatz scheint in Deining etwas zu gelingen, was man sich sonst in Bayern kaum vorzustellen wagt.

360 Schüler, 27 Lehrer, 3 Sozialpädagogen, 2 Erzieherinnen, 4 Betreuer, 2 Handwerker und eine Sekretärin bilden diese ungewöhnliche Schulgemeinschaft. Viele Projektpartner u. a. ein Computerhaus, das das Bestell- und Abrechnungssystem für das Mittagessen entwickelt hat, unterstützen die Schule. So gelingt auch mit reichlich „Selbstausbeutung“ täglich nach dem Essen ein Angebotsmix aus Nachmittagsunterricht, Arbeitsgemeinschaften, wechselnden Projekten und Nachhilfeangeboten. Der Anteil der Kommune? Finanzierungslücken stopfen, die der Freistaat offen lässt.

Wer sich genauer informieren möchte: ein Blick ins Internet unter www.vs-deining.de lohnt.

 

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Tempo 30 am Marktplatz

Lange hat es gedauert bis der Beschluss des Stadtrates zur Geschwindigkeitsbeschränkung am Marktplatz umgesetzt werden konnte. Die SPD-Stadtratsfraktion hatte am 30.03.2003 einen Überprüfungsantrag im Stadtrat gestellt, weil der Verkehrsausschuss Tempo 30 zunächst mit 4:5 Stimmen abgelehnt hatte. Im Stadtrat fand sich dann doch eine Mehrheit von 13 Befürwortern gegen neun Stimmen der CSU und der von Stadtrat Schneider (FWG).

Die LUPE hofft, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung ein kleiner Beitrag zur Verkehrsberuhigung am Marktplatz ist und zu mehr Sicherheit für die „schwachen“ Verkehrsteilnehmer beiträgt. Vielleicht auch ein erster Schritt zu einem Marktplatz, der auch die Belange derer berücksichtigt, die nicht mit dem Auto unterwegs sind. Der nächste mutige Schritt wäre eine entsprechende Zone-30-Regelung im Altstadtbereich.

Offenbar kommt die Regelung bei der Bevölkerung auch gut an, denn kaum waren die Schilder montiert, haben sich die Anwohner des Mühlwegs dafür ausgesprochen, die Regelung auf diesen Bereich zu erweitern. Der Verkehrsausschuss folgte mehrheitlich diesem Wunsch, so dass nun auch im Mühlweg und im Feuerweg bis zum Beginn des verkehrsberuhigten Bereichs gilt: Tempo 30.

 

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Literatur zur Wallensteinzeit

Die Altdorfer Wallensteinzeit ist eine gute Gelegenheit, sich mit einigen Titeln/Autoren aus der deutschen Literatur zum 30-jährigen Krieg zu beschäftigen und sich auch ein paar Gedanken darüber zu machen, was (jeder) Krieg für das einfache Volk bedeutet, und welche Folgen heute noch spürbar sind.

Von den bekannteren Autoren muss natürlich (chronologisch) zuerst Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens "Der Abenteuerliche Simplicissimus, Teutsch", erwähnt werden, zwischen 1668 und 1669 geschrieben von „Einem, der dabei war“. Dann ca. 120 Jahre später Friedrich Schillers Dreiteiler "Wallenstein", 1796 bis 1799 verfasst. Alfred Döblin schrieb zwischen 1916 und 1919, mitten im Ersten Weltkrieg, während seiner Militärarzttätigkeit im Elsass, seinen Wallenstein-Roman unter dem Eindruck der Frontkämpfe bei Verdun. Bertolt Brechts 1938/39, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, geschaffenes Drama "Mutter Courage und ihre Kinder", ist wie in eine Zeitreise auf dem Marketenderinnenwagen.

1971 erschien dann "Wallenstein, Sein Leben erzählt von Golo Mann", Manns Hauptwerk. Wie viele Historiker sieht er den 1583 in Prag geborenen und 1634 in Eger ermordeten Albrecht Wenzelslaus Eusebius von Waldstein, genannt Wallenstein, als einzigen weitblickenden Staatsmann des Deutschen Reiches, als verfrühten Europapolitiker, der im Vergleich zu den „anderen großen Hyänen“ seiner Zeit „doch der Ehrlichste war [...] und auf seine alten Tage der Bessere".

Von der vorgenannten Literatur beschreiben nur der „Simplicissimus“ und die „Mutter Courage“ den 30-jährigen Krieg aus der Sicht des gemeinen Volkes, während sich Schiller, Döblin und Mann vorrangig mit den „großen“ Persönlichkeiten und den politischen Zeitläufen beschäftigen. Hier nun ein Zitat aus Golo Manns Wallenstein, in dem drastisch beschrieben wird, wie es zuging, z. B. Oktober 1633, Ort: Goldberg, Schlesien:

„Obwohl nun“, berichtet ein Patriot, „niemandem unter den armen, geängstigten Leuten einfiel, sich zur Wehr zu setzen, um die Teufel nicht noch mehr zu erbittern und sie außer ihrem Bitten, Flehen, Weinen ... keine Rettung versuchten ... sie haben mit ihren ganz besonders zur Plünderung zubereiteten Äxten, Hämmern und Prügeln in vollen Streichen, nicht anders als wenn die Fleischhauer Ochsen töten, die Bürger vor die Köpfe und zu Boden geschlagen ... Nun fingen die Offiziere die Plünderungen an, denn die Offizier waren die schlimmsten, gottlosesten und verworfensten Bösewichter. Die Offiziere koppelten die Ratsherren aneinander und zwangen sie, ihnen unterdessen die Pferde zu halten während sie in ihre und ihrer Freunde Häuser drangen, Weiber und Mädchen schändeten, Kinder und Männer misshandelten ... Da nun öffentlich auf diese Weise geplündert worden war ... so wollte man auch das etwa tief Verborgene oder Vergrabene haben, und die Soldaten hatten Erlaubnis die Bürger anzugreifen und zu martern nach ihrer Lust, damit sie bekennen sollten, wo irgend etwas an Gütern und Geld verborgen steckte... schraubten die Köpfe mit knotigen Stricken so zusammen, dass ihnen die Augen aus dem Kopf heraustraten und das Blut zum Munde und zur Nase herausströmte. Andern schlug man brennende Kiensplitter unter die Nägel...“

Von Wallenstein ist bekannt, dass er die Räuber unter seinen Gefolgsleuten keineswegs liebte: „Er war gegen das Ausplündern und Martern der Bauern, das Bestehlen der Bürger; nicht aus Mitleid, sondern aus praktischen Gründen. Von der Erde, von der man in diesem Jahr lebte, musste man auch im nächsten leben.“

Die Ergebnisse dieses fürchterlichen Krieges und der unerträglichen Menschenopfer: Religion hatte als Vorwand für Krieg und Mord zwischen Katholiken und Protestanten weitgehend ausgedient. Eine deutliche politische Trennung von Österreich war erfolgt. Durch das Zerbrechen der Habsburger Vorherrschaft in Deutschland war aber auch jegliche Zentralgewalt beseitigt, mit der Folge politischer Ohnmacht, die in eine unheilvolle Kleinstaaterei ausarten sollte, und die heute noch ihre aktuelle Fortsetzung in den Ergebnissen der Föderalismusreform findet.

W. Birn

Wallenstein, sein Leben erzählt von Golo Mann, Fischer (TB)
Über den Autor
Golo Mann, 1909-1994, wurde in München geboren. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise, so auch 1985 den Goethepreis.

 

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